Handel mit Edelstahlrohren überwindet Sprachbarrieren

Jedem sind die Bilder von Afrikanerinnen geläufig, die Wasserkrüge auf ihren Köpfen balancieren und Wasser holen. Viele hierzulande mögen dem eine romantische Vorstellung abgewinnen. Doch die sollten dann man die Afrikanerinnen fragen. Oftmals müssen diese in sengender Hitze Kilometer weit laufen, um zu einer Quelle zu kommen und Wasser zu schöpfen. Das dauert nicht selten mehrer Stunden und wird daher (wen wundert’s?) von den wenigsten Afrikanerinnen als romantisch empfunden. Entwicklungshelfer aus Deutschland wollten dem nun Abhilfe leisten.

Da kaum jemand von der Sippe ein besseres als ein gebrochenes Englisch sprechen konnte, viel die Kommunikation nicht gerade leicht. Die beiden Helfer aus Deutschland, beide mit handwerklichem Hintergrund (einer war Monteur, der andere Installateur), konnten jedenfalls zu verstehen geben, dass sie beim nächsten Wassermarsch mitkommen wollten. Scheinbar hatte man ihr Anliegen verstanden, denn nur wenige Minuten später konnten sich die beiden engagierten Entwicklungshelfer aus Deutschland einer Gruppe mehrerer Frauen anschließen. Und es war in der tat ein schweißtreibender Marsch. Die beiden Helfer konnten sich kaum ausmalen, wie die Frauen täglich solchen “Leistungsport“ auf sich nehmen konnten. Während des Trips hörten die beiden auch auf jegliche Sprachbarrieren zwischen sich und den Afrikanerinnen zu bedauern. Keinem von beiden war zum reden zu mute, denn man konzentrierte sich voll auf den Marsch, um nicht zwischen den Damen zusammenzubrechen. Die warfen sich jedoch scherzhafte Blicke zu. Hätte doch keine von ihnen die beiden Männer aus “Germany“ für so zart besaitet gehalten.

Am Brunnen angekommen war es eine Qual für die beiden Herren, den Damen den Vortritt zu lassen, ehe man sich selbst ein paar Hände voll Wasser gönnte. Die eigenen Wasserflaschen hatte man auf dem Weg bereits geleert. Doch wenigstens wusste man nun, wo die Quelle zu finden war. In den folgenden Wochen galt es diese zu fassen und eine Verbindung zum Dorf zu schaffen. Für diesen Zweck hatte man im Voraus Edelstahlrohre aus Deutschland kommen lassen, die im Rahmen einer Spendenaktion durch Sponsoren ermöglicht wurden. So staunten die Dörfler nicht schlecht als ein Laster vorgefahren kam, auf dem einige Arbeiter aus der Stadt und die beiden deutschen saßen. Ein Mann aus der Stadt, den man im Dorf kannte berichtete, dass man das Wasser nun zu ihnen bringen würde.

Und als Wochen später die Quelle ins Dorf geholt wurde hieß es: Wasser Marsch! Und der Wassermarsch der Afrikanerinnen hatte sich erübrigt. Dafür war den beiden Helfern aus Deutschland der dank der Dörfler sicher. Ein fairer Handel, wie die beiden Männer aus Deutschland fanden. Denn Dankbarkeit ist ein seltenes gut. Zumindest wenn man aus der privilegierten Ersten Welt kommt. In den Ländern der Dritten Welt ist Wasserknappheit bzw. der geringe Zugang zu sauberem Trinkwasser eines der größten Übel. Doch dank der Hilfe zweier Männer mit dem entsprechenden Know-how, einiger Rohre aus Edelstahl und der Gewindefittings mit denen man die Wasserleitung an allen Hindernissen vorbeilaufen lies, ist dieses Dorf nun nicht mehr auf den mühseligen Wassermarsch angewiesen.